Finanz-Szene - der Podcast

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Finanz-Szene - Der Podcast. Zu Gast: Martin Blessing

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Es gibt nicht viele Chefs deutscher Großbanken, die es in den letzten 20 Jahren geschafft haben, über die Jahre zu so etwas wie einem "Gesicht" ihrer jeweiligen Bank zu werden. Josef Ackermann ist so ein Fall. Ganz gewiss aber auch: Martin Blessing. Der hatte mit ziemlich genau acht Jahren als Vorstandschef der Commerzbank von 2008 bis 2016 nicht einmal eine außergewöhnlich lange Amtszeit. Aber in die fielen mit Dresdner-Bank-Übernahme, der Finanzkrise samt Nahtod-Erfahrung, der Teilverstaatlichung, zwei Mega-Kapitalerhöhungen und dem Sturz in die Ära der Negativzinsen mehr, als andere Bank-CEOs in ihrem ganzen Berufsleben erleben.

Nun wurde es nach Blessings Coba-Ausstieg merklich ruhiger um Blessing, wenngleich aber nur medial. Ende 2016 stieg er bei der schweizerischen UBS ein, rückte in deren Vorstand auf, schied 2019 wieder aus - und wechselte gewissermaßen die Seiten. Weg von Großbanken. Hin zu etwas ganz neuem: Blessing betätigt sich nicht nur als Fintech-Investor (unter anderem etwas bei Hausgold und dem ESG-Fintech Ecolytics), sondern legte pünktlich zum Höhepunkt des Booms in diesem Segment im März 2021 einen Spac auf und wurde dessen CEO - und zwar mit dem Namen "European FinTech IPO Company 1"; kurz: EFIC1. Übernommen werde sollte mit diesem "Blankoscheck", wie der Firmenname sagt, ein europäisches Fintech.

Tatsächlich übernommen wird nun aber vorbehaltlich des OKs der Investoren ein niederländischer Medienkonzern namens Azerion. Anlass für uns, Blessing einmal in unseren Podcast einzuladen und nachzufragen: gab es denn kein Fintech, das die Investition wert gewesen wäre? Blessing nahm an - und war bester Laune, einen Ritt durch die großen Branchen-Themen dieser Zeit zu wagen: Sehen wir bei den Bewertungen eine Blase? Kann man die Bewertungen börsennotierter Banken überhaupt mit jenen von Fintechs vergleichen? Hatte er den Wertpapierboom so auf dem Zettel? Stimmt es wirklich, dass Corona "alles verändert" hat im Kundenverhalten? Und gibt es überhaupt noch Nischen, in denen es keine Fintechs gibt? (Spoiler: ja, die gibt es).

Unter anderem erzählt uns Blessing auch, dass er als McKinsey-Berater schon um das Jahr 1990 an Studien gearbeitet hätte, die Direktbanken für das Jahr 2005 50% Marktanteil und mehr vorher gesagt hätten. Dass es anders kam und alles erheblich langsamer verlaufen wäre als erwartet, führt er darauf zurück, dass es "alten" Banken immer wieder gelungen sei, den Vorsprung neuer Akteure aufzuholen durch Anpassung - eine Strategie, die er auch jetzt dringend geboten hält für die Institute.

Zumindest bei sich selbst macht Blessing mit der notwendigen Anpassungsfähigkeit an die neue Ära - und erläutert, was es mit den Chancen der In-App Käufe und -werbung von Gaming-Anbietern und den zugehörigen Zahlungsabwicklungen auf sich hat.

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Finanz-Szene - Der Podcast. Zu Gast: Sven Deglow, Co-CEO Consorsbank/BNP Paribas Personal Investors

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Zu unserem heutigen Podcast gibt es eine kleine Vorgeschichte: Weil sich schon seit längerem abzeichnet, dass die DKB ihre ambitioniertes Ziel von 8 Millionen Kunden bis 2024 wohl kaum organisch wird erreichen können (aktuell steht man noch unter fünf Millionen), haben wir bei Finanz-Szene im September einmal ein wenig spekuliert: wo, wen und was könnte die BayernLB-Tochter womöglich zukaufen? Schließlich zeichnet sich ab, dass Anbieter mit einer mittleren bis niedrigen sechsstelligen Kundenzahl von alleine das Kontogeschäft kaum skalieren können - das zumindest zeigt der jahrelange Kampf der Norisbank oder der 1822direkt mit den roten Zahlen und auch das Ende von Augsburger Aktienbank oder Rabodirect in Deutschland.

Was lag also näher, auch mal die Consorsbank-Kunden als mögliche Verkaufskandidaten zu sehen? Gerade einmal 340.000 Girokonten führt die, Tendenz kaum steigend.

Diese Spekulation fand man indes bei der Consorsbank bzw. der Muttergesellschaft BNP Paribas Personal Investors - so der etwas sperrige Name - überhaupt nicht komisch. Ob man denn nicht vielleicht mal gerade rücken könne, was man denn so mache?

Klar, kann man. Also luden wir Sven Deglow, Co-CEO von BNP Paribas Personal Investors, in unseren Podcast. Um in dem festzustellen: so völlig daneben war die Überlegung vielleicht doch nicht. Weil nämlich das Girokonto bei der Consorsbank - anders als bei vielen anderen Häusern - tatsächlich als Akquisitions- oder Ankerprodukt kaum eine Rolle spielt. Das ist inzwischen ganz offiziell: das Depot. Was wiederum einem Paradigmenwechsel gleichkommt, galt doch im Retail-Banking die Neukundengewinnung und -bindung über das Girokonto quasi drei Jahrzehnte lang als Mantra.

Mit dabei hatte Deglow aber noch eine ganze Reihe weiterer spannender Einblicke. So erklärt er unter anderem, dass die Signale für ein nahendes Payment-For-Order-Flow-Verbot für die Industrie eigentlich überüberseh- und hörbar gewesen seien ab dem Sommer. Und die Bank hat bei einer internen Auswertung eine spannende Entdeckung gemacht: Kunden, die "hybrid" - das heißt: sowohl Online als auch via Handy - mit Wertpapieren handeln, erzielen eine fast doppelt so hohe Rendite wie die reinen "Handyzocker" oder jene, die ausschließlich via Desk- oder Laptop ordern.

Auch macht Deglow - der sich ganz nebenbei auch als Stammzuschauer in Hansa Rostocks Ostseestadion seit den 90ern outet -  eine starke Nachfrage nach Krypto-Trading aus, obwohl man selbst lediglich indirekte Krypto-Anlagen über Fonds und Derivate anbietet. Regulatorische Hürden gäbe es in Deutschland kaum für ein Angebot. Es sei vielmehr eine strategische Frage, "wie viel Volatilität man seinem Kundenstamm zumuten wolle".

Unser Dank gilt dem Sponsor der heutigen Ausgabe, nämlich der digitalen Vermögensverwaltung von Hauck Aufhäuser Lampe - das ist Zeedin. http://zeed.in

Finanz-Szene - Der Podcast. Zu Gast: Stefan Barth/OLB

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Jahrzehntelang war die Oldenburgische Landesbank eine ziemlich normale Regionalbank. Von ihrer Peergroup unterschied sie sich eigentlich nur dadurch, dass es sich bei ihr eben nicht um eine Sparkasse oder Volksbank handelte – sondern um ein Privatinstitut, das infolge historischer Zufälligkeiten im Portfolio der Allianz gelandet war.

Die strategische Fantasie des Münchner Versicherers erschöpfte sich freilich irgendwann darin, die OLB nur noch irgendwie loswerden zu wollen. Und so griff vor fünf Jahren der US-Finanzinvestor Apollo zu, verschmolz die OLB mit zwei parallel erworbenen norddeutschen Spezialbanken – und wagt seitdem ein geradezu unerhörtes Experiment: Lässt sich eine verschlafene Regionalbank trotz Niedrigzins-Ära in ein gieriges Rendite-Monster verwandeln?

Um die Strategie der "neuen OLB" zu beschreiben, hatte Finanz-Szene schon 2019 den Begriff des "Radikalo-Bankings" geprägt. Damals allerdings ging es, wie man heute weiß, erst richtig los. Gefühlt folgt in Oldenburg seitdem Kostenprogramm auf Kostenprogramm. So wurde kurz vor Weihnachten bekannt, das die OLB weitere rund 15% ihrer Arbeitsplätze streichen, das Filialnetz nochmals drastisch kappen und die Zahl der SB-Standorte um 84% (!!) reduzieren will. Die Ziele? 45% Cost-Income-Ratio, eine zweistellige EK-Rendite – und nächstes Jahr dann an die Börse.

Kann dieses Experiment gelingen? Wo sollen künftig die Erträge herkommen? Welche Rolle spielt bei alldem die Digitalisierung? Und was machen private-equity-geführte Institute wie die OLB oder die HCOB anders als der Rest der Branche? Wir freuen uns sehr, für unseren ersten Podcast des Jahres den OLB-Chef Stefan Barth gewonnen zu haben.

Unser Dank gilt dem Sponsor der heutigen Ausgabe, nämlich dem Prüfungs- und Beratungs-Unternehmen Deloitte. www.deloitte.de

Finanz-Szene - der Podcast. Weihnachtsausgabe!

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Hörerinnen- und Hörer-Aktionen bergen aus journalistischer Sicht immer Blamagepotenzial: was, wenn man um Fragen bittet, die man gerne mal beantwortet - aber einfach nichts kommt? Das ging natürlich auch uns durch den Kopf, als wie Sie vergangene Woche aufriefen, uns doch für eine Weihnachts-Podcast-Ausgabe ohne Gast einfach mal Fragen zu Finanz-Szene oder uns zu mailen, die Sie interessieren.

Ein Glück gab es dann aber doch keine Blamage, die uns zum Erfinden von Fragen gezwungen hätte, sondern eine ganze Menge eMails, Whatsapp-Nachrichten und Threema-Mitteilungen. Und was für welche. Von der Frage nach unserem Netzwerk über den typischen Tagesablauf bis hin zum Lieblingsessen an Weihnachten und der Beschwerde, warum wir nicht beim Erwerb einer Bank behilflich sein könnten war alles dabei. Und - erfreulicherweise nutzten einige von Ihnen auch die Gelegenheit zur Kritik. Etwa zu unserem "Denglisch", mit dem wir die deutsche Sprache verstümmelten, indem wir von News statt Nachrichten oder Snippets statt Schnipseln reden. 

Wir haben uns über die vielen Fragen sehr gefreut und hatten Spaß an der Beantwortung - auch, weil es zur Selbstreflexion zwingt. Und keine Sorge, es bleibt bei einer Ausnahme, damit das alles nicht zu selbstreferentiell wird. Wir wollen aber die Gelegenheit nutzen, Ihnen für Ihre Treue als Leserinnen und Leser und Hörerinnen und Hörer zu danken - und auch für Ihr Feedback über das Jahr. 

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Finanz-Szene - Der Podcast. Zu Gast: Ralph Müller/IKB

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Vor ziemlich genau 20 Jahren schickte sich eine kleine Gruppe von Unternehmen an, etwas zu schaffen, von dem es zuvor jahrzehntelang hieß, dass es schlicht unmöglich sei: Immobilienkredite auf einer zentralen Plattform miteinander vergleichbar zu machen. Die Argumente der "Geht nicht"-Fraktion: es gebe Dutzende Variablen bei der Kreditwürdigkeit der Interessenten und dann wiederum Dutzende bei dem Kauf- und Bauvorhaben selbst. Das alles in eine zentrale, vergleichbare Anfrage zu packen sei schlicht unmöglich. 

Doch die Gründer der Interhyp, der Hypoport und auch der Plattform Planethome gaben sich mit dem "Geht nicht"-Argument nicht zufrieden, versuchten es doch. Mit durchschlagendem Erfolg: die Interhyp ging 2008 für knapp eine halbe Milliarde an die ING, Hypoport ist an der Börse 3,2 Mrd. Euro Wert, und Planethome ist auch zu einem Unternehmen mit über 700 Mitarbeiterinen und Mitarbeitern und 115 Mio. Umsatz gewachsen. Rund ein Drittel aller Immobilienfinanzierungen laufen über Plattformen. 

Gründer und damaliger Vorstand von Planethome war: Ralph Müller. Der ist nun Vorstand bei der IKB Deutsche Industriebank AG, eine Bank mit wechselvoller Geschichte in der Finanzkrise (auch darüber war zu reden), die aber inzwischen im Besitz des Finanzinvestors Lone Star wieder hohe einstellige Eigenkapitalrenditen erwirtschaftet. 

Unter Müllers Mitarbeit hat die IKB nun etwas vor, was auch seit 20 Jahren angeblich nicht geht: Mittelstandskredite auf eine zentrale Plattform zu ziehen und vergleichbar zu machen. Zusammengeschlossen hat man sich dazu mit: Hypoport. Also jenem Unternehmen, das schon einmal die Silos aufzubrechen half, die es bei der Kreditvergabe im Immobilienbereich gab. Im Januar soll es losgehen, 50 Banken sind bereits an Bord. 

Anlass für uns, einmal mit Müller in unserem Podcast zu sprechen: was genau haben die IKB und die Hypoport da vor? Hasst man die beiden dafür, dass nun auch bei Mittelstandskrediten bald die Margen zerbröseln könnten wie einst in der Immobilienfinanzierung? Und überhaupt: kann das funktionieren, Kredite in hoher zweistelliger Millionenhöhe vergleichbar zu machen? 

Gefragt haben wir natürlich auch, was uns seit Monaten als Verdacht beschleicht: Kann es womöglich sein, dass in Deutschland jene Banken, die Finanzinvestoren gehören, es womöglich leichter haben, wieder gute Ergebnisse zu erwirtschaften als unsere börsennotierten Großbanken, die von Quartal zu Quartal hetzen müssen? 
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Wir bedanken uns beim Sponsor dieser Episode - das ist Palturai, ein Datenspezialist, der Unternehmen hilft, das Netzwerk der eigenen Kunden und Lieferanten transparent zu machen. Mehr Infos unter: www.palturai.de

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Finanz-Szene - Der Podcast: Zu Gast: Martin Bücher/KSK Biberach

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Würde man einfach nur auf die Kennziffern dieses Instituts blicken könnte man glatt meinen, dass es man es mit einer der filiallosen Direktbank zu tun hat. Einer ING, DKB oder Comdirect oder einem vergleichbaren Akteur. Keinesfalls aber einer provinziellen Sparkasse. 

Aber wie man es auch dreht: Im Zuge unserer großen Sparkassen-Studie sprang uns die Kreissparkasse Biberach gleich mehrfach ins Auge. Das oberschwäbische Institut ...

wies in drei der letzten fünf Jahre eine Cost-Income-Ratio von unter 50% auf
erwirtschaftet Kapitalrenditen nördlich von 10%
wächst im klassischen Kreditgeschäft
baut Personal auf- und nicht ab
ist extrem gut kapitalisiert

... arbeitet mit 40% Home-Office-Quote

All das sollte Anlass genug sein, den Chef der Kreissparkasse Biberach - Martin Bücher - mal in unseren Podcast einzuladen und ihn fragen: wie machen sie das? Und Bücher hatte erfreulicherweise Zeit und Lust und stattete uns aus nach einer Sitzung bei der Finanz Informatik im Frankfurter Büro einen Besuch ab und stand uns Rede und Antwort. Mit entwaffnender Offenheit schilderte er, dass sein Haus eigentlich keine klassische Sparkasse sei, sondern zeitweise eher eine Investmentbank mit angeschlossener Sparkasse gewesen sei: mit einem sehr großen Kapitalmarktgeschäft.

Früh investierte das Haus in die Aktienmärkte, baute so im Bullenmarkt massive Reserven auf und kann es sich so leisten, heute knapp ein Drittel der Erträge (!!) aus Aktien und anderen Beteiligungen zu verdienen und selbst in Krisen wie im vergangenen März gut zu schlafen. Quasi nebenher erzählt uns Bücher, dass man für schlechtere Zeiten auch noch vier Tonnen Gold auf eigene Rechnung erworben hat und in Schweizer Tresoren eingelagert hat - mithin also Edelmetall im aktuellen Marktwert von über 200 Mio. Euro (und laut Bücher zu weit tieferen Marktkursen erworben). 

Dass die Kreissparkasse Biberach auch noch in einem wirtschaftlichen Kraftzentrum des Landes mit zahlreichen Hidden Champions arbeitet, rundet das ganze ab. Eine Blaupause für andere Sparkassen sei der Weg der Kreissparkasse Biberach allerdings nicht. "Sie brauchen natürlich auch die Reserven, dass, wenn tatsächlich Risiken schlagend werden, sie nicht sofort die Reißleine ziehen müssen".

Unser Dank gilt dem Sponsor dieser Episode, nämlich Mehrwerk, der führenden Plattform für Mehrwertleistungen für Banken in Deutschland.

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Finanz-Szene - Der Podcast. Zu Gast: Thomas Borgwerth

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Vorweg – natürlich ist das alles auch eine Frage der Perspektive. Zwar machen unsere Sparkassen nicht ganz so hohe Gewinne, wie es der DSGV bei seinen jährlichen Bilanz-PKs immer berichtet (das Delta für 2015-2019 liegt bei aggregierten 4,6 Mrd. Euro weniger, wie unsere Sparkassen-Studie zeigt). Allerdings: Trotz dieser erstaunlichen Abweichung sind die Ergebnisse weiterhin mehr als auskömmlich. So erzielten die rund 380 kommunalen Institute zuletzt ein Betriebsergebnis vor Bewertung von immer noch stolzen 8,4 Mrd. Euro. Davon wagt, nur mal zum Vergleich, die Deutsche Bank bei vergleichbarer Bilanzsumme nicht einmal zu träumen.

Gleichwohl: Wirklich optimistisch ist Finanz-Szene-Analyst Thomas Borgwerth aus seinen Recherchen für unsere große Sparkassen-Studie (die Sie hier weiterhin kostenpflichtig herunterladen können) nicht hervorgegangen. Weil: Die Tendenz – fallende Erträge, stabile Kosten – zeigt kontinuierlich nach unten. Und gerade bei vielen kleineren Instituten kann es ein "Weiter so" eigentlich nicht geben.

Wie also denkt Analyst Borgwerth nach seinen monatelangen Arbeiten konkret über die Sparkassen? Wie steht der Sektor aus seiner Sicht da, was sind die Perspektiven? Diesen Fragen widmen wir die heute Folge von "Finanz-Szene – Der Podcast".

Um eine möglichst natürliche Interview-Atmosphäre zu kreieren, hat derjenige Finanz-Redakteur das Gespräch geführt, der mit der Entstehung der Studie nichts zu tun hatte – nämlich Kollege Christian Kirchner. Dadurch (hoffen wir jedenfalls) ist ein Podcast entstanden, der für diejenigen unter Ihnen, die die Studie noch nicht gelesen haben, trotzdem verständlich ist – der zugleich aber auch für die "Kenn' ich doch schon alles"-Leserinnen und -Leser noch frische Aspekte bereithält.

Wir bedanken uns beim Sponsor dieser Episode, nämlich dem Deutschen Institut für Altersvorsorge mit seinem DIA-Podcast "Rente gut, alles gut"
https://www.dia-vorsorge.de/dia-podcast/

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Finanz-Szene - Der Podcast. Zu Gast: Michael Busshaus/Justtrade

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Wer dachte, die EU-Kommission

Die ersten Gerüchte, dass die hiesigen Finanzaufseher ein Problem mit der Payment-For-Order-Flow Praxis haben könnten - die gab es schon im Sommer. Auch wir bei Finanz-Szene gingen ihnen nach, kamen aber nicht so recht weiter: Die Neobroker, deren ganzes Geschäftsmodell auf der Praxis der Provisionen für die Weitergabe der Order fußt, konnten die Gerüchte zerstreuen. Und selbst im Umfeld der Finanzaufsicht Bafin gab man sich eher lax und großzügig. Solange die Provisionen für die Verbesserung des Handels verwendet werden und alles transparent gemacht wird, sei doch alles in Butter. 

Dass sich alle Akteure sehr lang in trügerischer Sicherheit wiegen konnten, hat einen simplen Grund. Das "Feuer" kommt meist daher, von wo man es nicht erwartet. In diesem Fall: "Von ganz oben". Aus Brüssel. Von der EU-Kommission, die den Rahmen für die Finanzmarktregulierung setzt, die nationales Recht bestimmt und den lokalen Aufsehern den Rahmen setzt. Und dort geht plötzlich alles sehr schnell und liegt seit vergangenen Donnerstag (siehe unsere exklusive Berichterstattung hier) ein konkreter Entwurf für die Reform der Finanzmarktregulierung vor, die ohne Umschweife und Ausnahmeregelungen jede Form von Provisionen von Dritten bei Orderweitergabe verbieten soll. 

Anlass für uns, einmal einen "Deep Dive" in die Folgen eines möglichen Verbots zu versuchen. Dafür gewinnen konnten wir Michael Bußhaus, Chef des Neobrokers Justtrade, seit 20 Jahren Broker-Experte mit Chefpositionen unter anderem bei Onvista und der Comdirect und somit auch inmitten des "Sturms", der hier gerade aufzieht. "So, wie das nun im Entwurf drinsteht, hat es uns schon überrascht", gibt Bußhaus auch unumwunden zu - sagt aber auch, dass die Folgen erheblich weitreichender sein könnten, als sich das viele vorstellen. Betroffen wären auch Transaktions- und Abwicklungsbanken, die klassischen Broker, die ebenfalls schon "seit 25 Jahren Payment-For-Order-Flow Zahlungen erhalten". Und selbst klassische Banken, deren Geschäftsmodelle mit Hochpreis-Gebühren womöglich geschützt würden, hätten laut Bußhaus keinen Grund zu jubeln, schließlich deute die geplante Regulierung auf ein nahendes generelles Verbot von Provisionszahlungen von Dritten - was wiederum die Anlageberatung und dazugehörigen Geschäftsmodelle grundsätzlich revolutionieren könnte. 

Bußhaus hat auch konkrete Theorien, wie die Welt nach einem möglichen Verbot aussehen könnte ("Zahlen wird es der Kunde über neue Entgelte") und führt auch aus, warum der Erfolg der Neobroker nicht allein preisgetrieben sei.
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Wir bedanken uns beim Sponsor FIO – dem Experten für
Finanz-Software und Zahlungsverkehr mittels virtueller Konten. Erfahren Sie mehr unter [www.fio.de/finance](http://www.fio.de/finance)
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Finanz-Szene - Der Podcast: Zu Gast: Eva Wunsch-Weber / Frankfurt Volksbank

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Wenn es um den Umgang mit den Null- und Niedrigzinsen geht, ist die Kreativität vieler Banken eher begrenzt: Filialen schließen, Konto-Gebühren steigen und Verwahrentgelte kommen. Bei der Frankfurter Volksbank indes - mit 13,2 Mrd. Euro Bilanzsumme die sechstgrößte Genossenschaftsbank hierzulande - ist das anders. Es gibt keine fixen Verwahrentgelte, und wann die Kontogebühren zuletzt stiegen, weiß man gar nicht mehr genau (es muss über zehn Jahre her sein, für Genaueres "müsste man in den Keller"). Was nun den angenehmen Nebeneffekt hat, dass man kaum Probleme mit dem BGH-Urteil hat.

Und auch in Sachen Filialen fährt man eine völlig andere Strategie als die Mehrheit der Institute: Statt sie zu schließen, investiert die Frankfurter Volksbank kräftig und steht zum Filialnetz, das überdies - ein Branchennovum - in Teilen schlicht mit der Taunus Sparkasse aus dem "roten Lager" geteilt wird.

Da das alles auch mit operativ starken Zahlen einher geht, steht Eva Wunsch-Weber, die Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, schon seit langem auf unserer Wunschliste als Podcast-Gast. Dass es letztlich doch etwas dauerte, ist der Tatsache geschuldet, dass man bei der Frankfurter Volksbank (die, nebenbei bemerkt, schlappe 185 Immobilien als "eiserne Reserve" für schlechtere Tage besitzt...) seit Monaten über eine neue Strategie brütet: Wie sieht die Bank der Zukunft aus?

Nun hat sie sich diesbezüglich gesammelt, plant Mehrwertdienste, digitale Ökosysteme, Plattformen und vor allen auch "Filialen der Zukunft", ohne Schalter, sondern mit Tischen sowie gleichen Front-Ends für Kunden wie Berater. Und folglich hatte auch Wunsch-Weber Zeit, uns vorzustellen, was man alles anders gemacht hat - und was man künftig denkt, anders zu machen. Wobei das vielleicht auch schon der Kern des Ganzen ist: Einfach mal "machen" - denn, so Wunsch-Weber, wenn Fintechs muter mit "Minimum Viable Products, kurz: MVPs arbeiten dürfen - warum soll es nicht auch eine Bank machen dürfen?

Unser Dank gilt dem Sponsor dieser Episode, nämlich unserem Partner Oliver Wyman - eine der international führenden Top-Unternehmensberatungen, die Beratungsdienstleistungen in allen Branchen anbietet.

Finanz-Szene - Der Podcast. Zu Gast: Marcus Mosen, Investor & Berater

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Es ist mächtig viel los in Deutschlands Payment-Szene: Mastercard verkündet das Aus für Maestro ab 2023, eine Bank nach der anderen - jüngst etwa die DKB und ING mit zusammen knapp 15 Millionen Kunden - erklären die Girocard für obsolet, und in diesen Tagen wird sich auch das Schicksal der European Payments Initiative (EPI) entscheiden. 

Anlass für uns, all diesen Dingen einmal in Ruhe in einem Podcast auf den Grund zu gehen - und das mit einem der profiliertesten Payment-Experten und regelmäßigen Finanz-Szene-Gastautor: Marcus W. Mosen. Der sieht für die Girocard schwere Zeiten aufziehen - und zeigt sich auch skeptisch, was die European Payments Initiative angeht. Der Organisation mangele es an einer klaren Vision, einfach nur "gegen" Mastercard und Visa zu sein, das reiche nicht. Völlig ignoriert habe die EPI beispielsweise bislang das Thema "Digitale Identitäten", wo es in den EPI-Teilnehmerländern immensen Aufholbedarf gebe gegenüber etwa skandinavischen Ländern, wo der Brückenschlag zwischen Staat und Privatwirtschaft gelungen sei. 

Kritik übt Mosen auch an der Struktur der EPI, die in Deutschland von der Deutschen Kreditwirtschaft gepusht werde.  "Fintechs sind bisher in Epi nicht wirklich involviert worden. Vielleicht hat man das auch nicht gewollt", so Mosen. 
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Unser Dank gilt dem Sponsor dieser Episode und Finanz-Szene-Partner McKinsey & Company, die kürzlich eine umfassende Studie zum Payment-Sektor veröffentlicht hat - hier geht's zur Studie: mck.de/payments

Über diesen Podcast

Jeden Montag begrüßen wir bei Finanz-Szene.de einen Gast aus der Banken- und Fintech-Branche, um ein aktuelles Thema zu vertiefen. Die Hosts sind Christian Kirchner und Heinz-Roger Dohms, Betreiber des erfolgreichen Branchen-Newsletters Finanz-Szene.de.

von und mit Christian Kirchner, Heinz-Roger Dohms

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